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Beziehungskreise 1. Teil: Die Beziehung zu sich selbst


Ja, ich denke, dass man auch mit sich selbst eine Beziehung hat, und es nicht nur einfach eine Redensart ist.


Manche führen Selbstgespräche, und dutzen sich dabei, als würden sie mit jemand anderem sprechen.


Man kann


"Mit sich selbst im Reinen sein",

"Uneins mit sich selbst sein",

"Sich selbst im Weg stehen",

"Sich selbst ein guter Freund sein",

"Nicht man selbst gewesen sein", usw.


In meinen Augen Ausdrücke dafür, dass wir uns selbst gegenüberstehen und fast genauso betrachten können, wie einen anderen Menschen.


Es scheint, als würde sich dadurch, dass wir ein Bewusstsein von uns selbst haben, automatisch die Möglichkeit ergeben, mit uns selbst eine Beziehung zu führen.


Ich spreche von "Möglichkeit", denn:


Es gibt einen Unterschied zwischen "eine Beziehung haben" und "eine Beziehung führen".


Eine Beziehung mit sich zu "führen", ist eine bewusste Entscheidung.


Man kann auch einfach "neben sich her leben", oder keine Beziehung wollen. Oder man möchte sich keine Gedanken darüber machen.

In jedem Fall hat man aber eine Beziehung.


Egal wie man damit umgeht, es hat eine Auswirkung. Denn Beziehung beinhaltet Kommunikation.

Das erste der 5 Axiome der Kommunikation nach Paul Watzlawick lautet:

Man kann nicht nicht kommunizieren.


Es gibt eine Welt außerhalb uns selbst und eine Welt in uns.


Wir nehmen die Außenwelt und unseren Körper durch unsere Sinne wahr, und haben dabei in uns Gedanken, Gefühle, Emotionen, Bedürfnisse, Wünsche, usw.

Das bildet unsere Innenwelt.


Und zwischen Außenwelt und Innenwelt haben wir unseren Körper als Vermittler. Er ist ein Teil beider Welten, und wird von beiden gebildet.


Gedanken und Gefühle erzeugen körperliche Reaktionen, ebenso, wie die Wahrnehmungen der Außenwelt.

Die seelische Gesundheit beeinflusst die körperliche Gesundheit, und umgekehrt.


Wir kommunizieren ständig auf verschiedenen Ebenen, auch mit uns selbst.


Macht man sich das bewusst, kann man bei Vielem beginnen mit zu entscheiden, was vorher "einfach passierte".


Eine zusätzliche Perspektive:


Die Außenwelt war schon da, bevor wir im Mutterleib und nach der Geburt anfingen, unseren Körper und unsere Innenwelt zu bilden.

Also ist sie maßgeblich daran beteiligt gewesen, dass unser Körper und unsere Innenwelt so sind wie sie sind.


Schon als Säugling sind wir den Einflüssen von aussen ausgeliefert:


Zum Beispiel, wie Mutter und Vater mit sich und ihrem Baby umgehen (Präsenz, Sprache, Gesten, Gefühle, ...).

Die Zeit in der es geboren wird, mit ihren speziellen Herausforderungen (Kriege, Umweltkatastrophen, technische Entwicklungen, ...).

Die Gesellschaft mit ihren Normen, die globale Situation (Politik, Wirtschaft, ...). Wer möchte, nimmt auch kosmische Einflüsse mit dazu.


Der heranwachsende Mensch nimmt alles in sich auf, reagiert in seiner Innenwelt darauf, und äußert sich.


Durch diese Wechselwirkung entsteht im Lauf der Zeit eine Art innere Gestalt in jedem Menschen.

Sie besteht aus vielen verschiedenen Anteilen.


Unser Selbstbild.


Ich denke, die Beziehung die wir mit uns selbst haben, hängt stark von unserem Selbstbild ab.


Sätze wie:


"Ich bin wertvoll/ wertlos."

"Ich habe Recht und die anderen nicht!"

"Keiner versteht mich."

"Die anderen sind an allem schuld!"

"Ich bin an allem schuld!"

"Ich bin gut so wie ich bin."

"Das kann ich gut/ nicht gut."

"So fühle ich mich wohl/ unwohl."

"Ich bin schön/ unansehnlich.",


stammen von Anteilen des Selbstbilds. Wir stellen uns mit unserem Selbstbild dem gegenüber, was wir aussen in der Welt erleben.

Je nach Situation stehen dabei andere Anteile im Vordergrund.


Unser Selbstbild kann uns auch etwas sagen das nur teilweise, oder nicht mehr der Realität entspricht.


Es gibt eine Geschichte, die ich hier passend finde:

Es geht um einen Elefanten, der als Jungtier an einen Pflock gebunden wurde. Er hat alles versucht, um sich loszureißen, aber der Pflock war zu stark. Der kleine Elefant gab seine Befreiungsversuche irgendwann auf und fügte sich seinem Schicksal. Jetzt steht er als ausgewachsener Elefant an denselben Pflock gebunden, den er mühelos ausreißen könnte. Aber er glaubt nicht, dass er nun viel stärker ist, als er früher war. Deswegen erduldet er seine Fessel, die eigentlich keine mehr ist.

(Quelle: "Der angekettete Elefant", von Jorge Bucay, aus dem Buch: "Komm, ich erzähl dir eine Geschichte")


Ein Kind, das von seinen Eltern liebevoll

behandelt wurde, hat als Erwachsener ein anderes Selbstbild, als ein Kind das von seinen Eltern nur kritisiert wurde.


Andauerndes Wiederholen einer bestimmten Erfahrung, oder sehr intensive Erfahrungen, und die damit verbundenen Gedanken und Gefühle, nehmen Einfluss auf einen Anteil unseres Selbstbilds.

Vor allem in den ersten 7 Lebensjahren.


Die Außenwelt zeigt uns zuerst, wer wir scheinbar sind. Wir lernen von anderen, wie wir uns selbst zu sehen haben.

Und so gehen wir dann selbst mit uns um, denn als heranwachsende Menschen sind wir zuerst voller Vertrauen in die Welt.


Es passiert häufig, dass Menschen noch als Erwachsene innerhalb bestimmter Muster bleiben, die sie in ihrer Kindheit entwickelt haben.

Zum Beispiel:

Jemand äußert eine abweichende Meinung nicht, aus Angst, nicht mehr in einer Gruppe akzeptiert zu sein.


Wie mit Menschen in der Außenwelt, kann ich mit mir in meiner Innenwelt umgehen.

Bin ich neugierig, oder verunsichert mich mein Gedanken- und Gefühlsleben?

Ich kann bestimmte Begegnungen mit mir vermeiden, andere gezielt suchen.

Mich ernst nehmen, oder mich lächerlich machen. Liebevoll zu mir sein, oder mich verurteilen. Verantwortung abgeben, oder sie selbst übernehmen.


Es kann beängstigend klingen, aber in der Beziehung mit sich selbst ist es wichtig, sich auszuprobieren, um sich besser kennen zu lernen. Ebenso wichtig ist es, sich zu reflektieren, oder reflektieren zu lassen.

Stimmt das Bild das man von sich hat (noch)?


Es gibt im Leben immer wieder die Chance, sich anders kennenzulernen, sein Selbstbild neu zu entdecken, oder dessen Gestalt zu verändern.


In Beziehungen ist nichts in Stein gemeißelt.


Und: man kann sich selbst nicht verlassen.




Mit den allerbesten Grüßen,


Sascha

 
 
 

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